Die Liste der anerkannten hochqualifizierten Frauen ist ebenso kurz wie beeindruckend. Zudem ist die Dunkelziffer enorm hoch, denn häufig stehen hinter männlichen Wissenschaftlern ganze Teams von weiblichen Mitarbeiterinnen, die alles andere tun als ihren Chefs Kaffee zu kochen oder Häppchen zu reichen.
Im folgenden nur einige wenige Beispiele von Frauen, die ihrer Zeit weit voraus waren und eine enorme Pionierarbeit zu leisten hatten.

Wahrscheinlich ist den meisten Kritikern von „Frauen am Steuer“ gar nicht bekannt, dass die erste Überlandfahrt
in der Geschichte des Automobiles von einer Frau unternommen wurde.
Am 5. August 1888 unternimmt Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen eine Fahrt von Mannheim nach Pforzheim in dem
patentierten Motorwagen ihres Mannes Carl Benz. Für die 106 km brauchen die drei einen kompletten Tag, vom
Morgengrauen bis zur Abenddämmerung. Zu bedenken ist auch die Tatsache, dass diese Stunden keineswegs in einem
bequemen vollklimatisierten Fahrzeug auf einer gut ausgebauten Autobahn verbracht wurden sondern in einem dreirädrigen,
offenen Vehikel mit lederüberzogener Bank auf einer staubigen, von Fuhrwerken ausgefahrenen Straße.
Bertha Benz war mutig, optimistisch und selbstbewusst genug, die praktischen Vorteile des von ihrem Mann in vielen
Stunden und mit großem technischen Verständnis geschaffenen Automobiles auszutesten. Zudem hat auch sie auf dieser
Fahrt ein enormes Technikverständnis unter Beweis gestellt. Als der Tank leer ist, kauft sie beim Apotheker in
Wiesloch die letzten drei Liter Ligroin, das früher als Reinigungsmittel verwendet wurde.
Unterwegs muss ständig Wasser und Öl nachgefüllt werden, die Kette bricht und muss vom Schmied in Bruchsal
repariert werden, der außerdem die Bremsklötze mit Leder belegt, und ein wenig später reinigt Bertha die
verstopfte Treibstoffleitung mit ihrer Hutnadel. Weder diese Zwischenfälle noch die Leute, die das ungewohnte
Gefährt teils schweigend bestaunen, teils den Kopf schütteln, sich angsterfüllt bekreuzigen oder sogar mit Fäusten
bedrohen, können Bertha Benz beirren.

Sicher ist Marie Curie die Frau, die zuerst genannt wird, wenn man nach einer Frau in einem naturwissenschaftlichen Beruf fragt.1892 begann Marya Sklodowska mit dem Studium der Chemie und Physik, was zu dieser Zeit für eine Frau gar nicht selbstverständlich war. Sie war während des Studiums finanziell nicht gerade üppig ausgestattet und bereitete sich in der eisigen Kälte ihrer Mansarde im
Universitätsviertel der Pariser Sorbonne auf ihre Prüfungen
vor, die sie mit Auszeichnungen bestand.
1895 heiratete sie den Physiker Pierre Curie. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter im Jahre 1897 begann sie mit ihrer
Doktorarbeit über die erst kurz zuvor von Henri Becquerel entdeckten Uranstrahlen. 1903 wurde den Curies und Henri
Becquerel der Nobelpreis für Physik verliehen. Sie bekam eine zweite Tochter. 1906 verunglückte jedoch ihr Mann
Pierre tödlich und Marie vergrub sich in ihre Forschungen, die 1911 erneut mit einem Nobelpreis, diesmal in Chemie,
für die Entdeckung des Elementes Radium gekrönt wurden. Marie Curie starb 1934 an einer Blutzersetzung.